Jugendliche entdecken Raiffeisen

Besuch bei Raiffeisen

Bassum (ine). Wie funktioniert die Probenahme? Wie erhält man das Getreide im Silo gesund? Wie werden die Pflanzenschutzmittel gelagert? Wie sieht die Düngemischanlage aus? Nur einen Steinwurf von ihrer Schule entfernt erlangten die Schülerinnen und Schüler der neunten Klasse der Lukas-Schule in Bassum einen Einblick in die Arbeit der Raiffeisen-Warengenossenschaft Bassum-Harpstedt eG. Geschäftsführer Wolfgang von Fintel zeigte ihnen das gesamte Betriebsgelände und stellte schnell fest: „Die Schüler sind sehr interessiert.“

Der Besuch fand im Rahmen der Lernpartnerschaft statt, die die RWG Bassum-Harpstedt mit der Lukas-Schule unter dem Dach von KURS-Zukunft geschlossen hatte. KURS-Zukunft ist eine Initiative des Fachkräftebündnisses Nordwest unter Federführung des Niedersächsischen Kompetenzzentrums Ernährungswirtschaft (NieKE) an der Universität Vechta. „Das hier ist heute der Basisworkshop“, erläuterte Anna Schaffrath von KURS-Zukunft, die die Klasse zuvor bereits besucht und mit ihr gemeinsam Fragen rund um das Thema Nachhaltigkeit entwickelt hatte.

Diesem Fragenkatalog stellte sich Wolfgang von Fintel nach der Betriebsbesichtigung – und das tat er gerne. „Ich möchte gerne ein bisschen in die Zukunft der Schüler investieren“, begründete von Fintel, warum er sich für die Lernpartnerschaft engagiert. „Außerdem sollten sich die Schüler über die Urproduktion und die Landwirtschaft informieren“, findet der Geschäftsführer. Und die Neuntklässler gingen mit ihren Fragen auch gleich ans Eingemachte: „Sind Pflanzenschutzmittel schädlich für den Menschen?“, wollte eine Schülerin wissen. „Wir verkaufen die Pflanzenschutzmittel nur in Originalbehältnissen, auf denen genau steht, wie der Anwender sich zu schützen hat“, so von Fintel.

Spannend auch die Fragen rund um das Thema Bio-Sprit. In klassischem Diesel an der Tankstelle zum Beispiel steckten bis zu sieben Prozent nachwachsende Rohstoffe, die aus Ölpflanzen gewonnen werden. Eigentlich wollte man damit die heimische Landwirtschaft und den Rapsanbau fördern, erläuterte von Fintel. „Die Ausbeute pro Hektar ist bei Palmöl die größte.“ Also sei das auch ein sehr günstiges Öl. Seit Jahren aber vernichte die zunehmende Palmölproduktion die Regenwälder in Malaysia und Indonesien. Zugleich gehe der Rapsanbau hierzulande zurück, weil die deutschen Landwirte bei diesen Preisen kaum noch mithalten könnten. „Bringt es also etwas, wenn wir in den Kraftstoffen Öle aus nachwachsender Rohstoffen beimischen, die zu einem nicht unerheblichen Anteil nicht aus unserer Region kommen?“, fragte von Fintel – und die Schülerinnen und Schüler kamen ins Nachdenken.

Eine Pause wollten sie nicht, sie wollten sich weiter mit dem Experten über ihre Fragen austauschen. Und er hatte auch selbst mehrere an die Schüler: „Was halten Sie vom Mindestlohn?“, wollte er wissen. „Wenn man mehr gibt, sind die Leute vielleicht auch zufriedener“, mutmaßte ein Schüler. Wolfgang von Fintel bezahle aus Prinzip mehr als den Mindestlohn, sagte er. „Ich finde es nicht gut, einem Mitarbeiter zu sagen: ‚Du bekommst nur den Mindestlohn‘.“ „Haben Sie auch weibliche Mitarbeiterinnen?“ lautete eine weitere Frage. „Egal ob männlich oder weiblich: Es hängt von der Leistung ab“, erklärte Wolfgang von Fintel und fügte an: „Wir haben auch eine Lkw-Fahrerin.“

Zudem wollte die Klasse von ihm wissen, was ihm am meisten Spaß an seinem Beruf bringe. „Die Herausforderung, für ein kleines Unternehmen verantwortlich zu sein“, sagte von Fintel. „In einem kleinen Unternehmen können Sie gestalten. Wenn wir an einer Schraube drehen, sehen wir direkt, was passiert.“ Der offene Dialog kam bei den Schülerinnen und Schülern gut an, der Vormittag verging wie im Flug, und der Austausch wird mit weiteren Veranstaltungen weitergehen. Insgesamt sind im Rahmen von KURS-Zukunft 18 Lernpartnerschaften zwischen Schulen und benachbarten Unternehmen der Agrar- und Ernährungswirtschaft in drei Landkreisen (Cloppenburg, Diepholz, Vechta) entstanden. Durch den offenen Zukunftsdialog über die Themen der Branche sollen realistische Einblicke gewährt und ein Imagewandel herbeigeführt werden.

(Text: Regine Suling; Landvolk Mittelweser)